Erster internationaler Höhenrettungslehrgang großer Erfolg

srht_2009Immer dann, wenn Menschen in großen Höhen oder Tiefen in Not geraten und die üblichen Instrumente der Gefahrenabwehr, wie z.B. Leitern oder Hubrettungsgeräte nicht funktionieren, ist eine Höhenrettung gefragt. Einsätze auf Baukränen, Sendeanlagen, Industriebauten, Brücken und in Steinbrüchen, aber auch in Silos, Brunnen- oder Aufzugsschächten gehören zu den Aufgaben dieser Spezialisten. Zudem führt ein geändertes Freizeitverhalten der Bürgerinnen und Bürger in der Natur zum Bedarf von diesen Spezialrettern. Seit 2001 hat sich eine aktive Gruppe von Höhenrettern gebildet, die einen sehr starken Austausch mit anderen Einheiten pflegt und aus der auch wissenschaftliche Forschung hervorgeht, zuletzt das wissenschaftliche Forschungsprojekt EUmedSR, das sich mit Notfallmedizin in der Höhenrettung beschäftigte. Nun wurde in Gießen und Wetzlar ein erster internationaler Höhenrettungslehrgang durchgeführt, der mit Teilnehmern aus Deutschland und angrenzenden europäischen Staaten besetzt war.

Der Lehrgang, der an vier Wochenenden stattfindet, wird ausgerichtet von SpezialistenKurse.de, einem Bildungsnetzwerk, dass sich aus leitenden Fach- und Führungskräften von Feuerwehr, Medizin, Polizei, Universitäten und Industrie zusammensetzt. Ziel ist es, anspruchsvolle Nischenqualifikationen in der Blaulichtszene anzubieten - neben Lehrgangsangeboten rund um Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Ehrenamtsmanagement eben auch technische Spezialrettungslehrgänge. Hierzu gehört auch der durchgeführte Höhenrettungslehrgang - korrekte Bezeichnung "Lehrgang SRHT AGBF / EUSR 80 UE".
Geleitet wurde der Lehrgang von Martin Lutz, mittelhessens dienstältestem Höhenretter und einer von nur drei Spezialausbildern für diese Materie in der Region. "Ziel der Ausbildung ist die sichere Vermittlung von sechs Grundvarianten, mit denen jeder Höhenrettungseinsatz beherrschbar ist." erklärt Lutz das Lehrgangsziel. Ausgebildet wurde an Strommasten, Baukränen, in engen Treppenhäusern, Industrieplattformen und in einem Steinbruch.

René Purgay (48), Paramedic und Rettungsdiensttrainer aus Amsterdam (Niederlande), der an dem Lehrgang teilnimmt, um das Thema Höhenrettung in den Niederlanden voranzutreiben, ist sichtlich begeistert. "Was mir besonders aufgefallen ist, ist das man sich auf die wesentlichen Punkte beschränkt hat. Bei dem Kurs geht es nicht um Quantität der Lehrinhalte sondern um die Qualität. Durch die anspruchsvolle Methodik der Kursleitung lernt man nicht nur Handgriffe und Techniken, sondern weiß man am Ende auch wie man sich repräsentieren muss. Das fehlt andernorts oft. Auch ist es gelungen aus den Teilnehmern, in der kurzen Zeit, die wir uns kennen, ein funktionierendes Team zu machen. Hut ab, dass dies in so kurzer Zeit gelungen ist.", so der niederländische Rettungsspezialist.

Heiko Münzing, Rettungsassistent und Luftretter aus Baden-Württemberg kam mit Vorkenntnissen nach Gießen, um hier den letzten Schliff zu bekommen. "Es ist erstaunlich, wie sehr bei diesen Speziellen Rettungsaktionen der Teufel und die Lebensgefahr im Detail liegt - das wurde hier perfekt aufbereitet, ich bin beeindruckt. Zudem bietet keine andere Bildungseinrichtung diese enge Verknüpfung von Rettungstechnik und anspruchsvoller Notfallmedizin in ihrem Höhenrettungslehrgängen. Ich lerne hier sehr viel." Für alle Beteiligten ist klar: Diese Pilotveranstaltung wird fortgesetzt, denn der Bedarf ist groß: Jede deutsche Region, jedes Ballungszentrum hat mittlerweile einen funktionierenden Höhenrettungsdienst in seiner Gefahrenabwehr.

 
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